Analysen archivierter Gewebsproben von Personen, die 1918/1919 vermeintlich an der Spanischen Grippe verstorben sind.

Anmerkung des Autors: Ich wurde auf dieses Studie aufmerksam, als diese in einem Online-Medium (Report24News) in einem Artikel erwähnt wurde. Für mich war das besonders interessant, weil eigentlich nicht das Influenzavirus das Problem war, sondern vorwiegend die sekundäre, bakterielle Lungenentzündung. Ich frage mich jetzt, warum uns über viele Jahrzehnte hindurch erzählt wurde, dass das Influenzavirus das tödliche Agens in der „Spanischen Grippe“ Pandemie war und nicht die bakterielle Lungenentzündung als eigentliche Ursache genannt wurde. Wurden wir absichtlich belogen, oder war es schlicht Unwissenheit?

Es ist wichtig, immer im Hinterkopf zu behalten, dass die Spanischen Grippe zu einem Zeitpunkt „auftrat“, als die Bevölkerung nach 4 Jahren Krieg durch Hungersnöte und großen Entbehrungen sehr geschwächt war (vor allem in Europa). Diese Situation hat sehr wahrscheinlich zu einem geschwächten Immunsystem beigetragen. Zusätzlich dazu standen zu diesem Zeitpunkt noch keine Antibiotika für eine Behandlung zur Verfügung.

Diese Studie über die Spanische Grippe wurde im Jahr 2008 vom National Health Institute (NHI) in den USA unter der Leitung von Dr. Anthony Fauci durchgeführt und publiziert. Es wurde Lungengewebe von 58 Autopsien aus den Jahren 1918/1919 mit histologischen Methoden, die heute gängig sind, neu untersucht. Weiters wurden pathologische und bakteriologische Daten von 109 publizierten Autopsie-Serien, die 8398 Einzelautopsien beschreiben, unter modernen Aspekten evaluiert.

Hintergrundinformation zu den sogenannten Grippe Pandemien im zwanzigsten Jahrhundert

(Daten zur Übersterblichkeit in den USA)

 ZeitraumVirus StammVerstorbene
Spanische Grippe1918 – 1919H1N1675 000
Asiatische Grippe1957 – 1958H2N2  86 000
Hong Kong Grippe1968 – 1969H3N2  56 300

Gewebeschnitte und publizierten Daten über die Spanischen Grippe wurden re-analysiert.

  • Neu präparierte Gewebeschnitte von archiviertem Autopsie Material (58 Patienten) wurden mit Hämatoxylin, Eosin gefärbt.
  • Post mortem Kulturen von Lungengewebe
  • Blutproben (Herzblut)
  • Pleuralflüssigkeit
  • 2000 Publikationen (Englisch, Deutsch, Französisch) wurden analysiert -> 109 publizierte Autopsie Serien waren auswertbar; sie wurden auf pathologische Veränderungen und bakterielles Infektionsgeschehen untersucht.

Die Haupttodesursache der an Influenza erkrankten Personen waren bakterielle Lungenentzündungen, vor allem in 3 Populationsgruppen.

  1. Kinder
  2. Erwachsene zwischen 20-40 Jahren
  3. Erwachsene über 65 Jahre

Auffällige Aspekte bei den Influenza-assoziierten Lungenentzündungen waren

a) Auftreten einer hohe Inzidenz von bakteriellen Sekundärinfektionen,

b) Mischinfektionen von Pneumokokken und Streptokokken,

c) die Aggressivität der bakteriellen Infektionen mit extensiven Nekrosen, Vasculitis und Hämorrhagien,

d) Prädominanz von Bronchopneumonie und Lobulärpneumonie, die mit massiver Zerstörung des Lungengewebes einhergehen.

Positive Lungenkulturen waren dominant (> 90%). Eine massive Vermehrung von Bakterien im Gewebe wurde sehr häufig beobachtet.

Es gibt unter den Ärzten eine allgemeine Übereinstimmung, dass nicht das Virus, sondern die bakteriellen Sekundärinfektionen zum Tod führten.

Weitere Analysen zu den nachfolgenden Pandemien 1957 und 1968 zeigten ähnlich Muster wie bei der Spanischen Grippe. Nicht die Virusinfektion, sondern die bakteriellen Sekundärinfektionen führte vorwiegend zum Tod.

Dr. rer. nat. Renate Konopitzky

Für mehr Details, anbei noch histologische Bilder von Lungengewebe und eine zusammenfassende Tabelle von Evidenz-Daten von 1918/1919

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Literatur:

J Infect Dis. 2008 October 01; 198(7): 962–970. doi:10.1086/591708

Predominant Role of Bacterial Pneumonia as a Cause of Death in Pandemic Influenza: Implications for Pandemic Influenza Preparedness

David M. Morens, Jeffery K. Taubenberger, Anthony S. FauciNational Institute of Allergy and Infectious Diseases, National Institutes of Health, Bethesda, Maryland

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