Ein Kommentar zum Thema „Verwendung von humanen Zellen“ in der Herstellung von Impfstoffen

Auf Grund meiner Beobachtungen, dass immer wieder Erzählungen auftauchen, die davon berichten, dass für die Herstellung von Vakzine abgetriebene Föten verwendet werden, möchte ich dazu einen Kommentar abgeben.

Nachdem ich viele Jahre in der Tumorforschung (Zellbiologie) gearbeitet habe, hatte ich in dieser Zeit viel mit den unterschiedlichsten Zelllinien zu tun. Es gibt viele verschiedenen Zelllinien, die kommerziell verfügbar sind und für Forschungszwecke benötigt werden (Firmen: ATCC1, DSMZ2 und andere). Die Zellen stammen vorwiegend aus chirurgisch entferntem Tumorgewebe. Tumorzellen sind einfacher in Kultur zu bringen als normale Zellen, da die normalen Zellen nur eine sehr limitierte Teilungsrate und damit Lebensdauer haben. Tumorzellen können über lange Zeit unter entsprechenden Bedingungen in Petrischalen/Kulturflaschen gezüchtet/vermehrt werden. Die Zellen, die aus Normalgewebe stammen bezeichnet man als Primärzelllinien. Darunter sind auch einige Zelllinien, die embryonalen Ursprungs sind.

Um Gewebe eines Patienten (auch aus Fehlgeburten und Abtreibungen) für Forschungszwecke oder zur Produktion von Arzneimittel zu verwenden, ist die Zustimmung des Patienten notwendig.

Die kommerziell verfügbaren Zelllinien werden in erster Linie für Forschungszwecke, wie z.B. in in vitroExperimenten zur Austestungen von neuen Substanzen/ Medikamenten eingesetzt. Einige dieser Zelllinien werden auch für die Produktion von biologischen Arzneimittel, wie z.B. Antikörper (für die Krebstherapie, Therapie von Immunerkrankungen etc.) oder auch Proteine wie Erythropoetin verwendet.

Der signifikante Unterschied in der Produktion dieser biologischen Arzneimittel zur Herstellung von Impfstoffen besteht für mich darin, das hier äußerste Sorgfalt in die Reinigung dieser Produkte gelegt wird. Die Etablierung der Reinigungsmethoden und die dazugehörigen Kontrollen dauert oft mehr als 1 Jahr. Diese Produkte werden injiziert (vorwiegend i.v. und i.m.) und die kleineste Verunreinigung kann starke Immunreaktionen im Körper während oder nach der Applikation hervorrufen. Außerdem kann dadurch deren Wirkung beeinträchtigt werden. Kontinuierliche Qualitätsanalysen waren und sind ein essenzieller Bestandteil für die Registrierung dieser biologischen Arzneimittel.

Wie wir in den letzten Jahren, vor allem in der COVID-19 Zeit, erfahren mussten, scheint bei der Herstellung von Impfstoffen weniger Sorgfalt angewendet zu werden. Es gibt vermehrt Publikationen, die darauf hindeuten, dass dabei einiges im Argen liegt. Bei COVID-19 Spritzen ist es vor allem die unzureichend entfernte, bakterielle DNA3, die ein Problem darstellt. Es ist gut möglich, dass auch bei der Reinigung von anderen Impfstoffen, die zur Herstellung Säugtierzellen benötigen, mit weniger Sorgfalt vorgegangen wurde.

Dieser Kommentar basiert auf meiner jahrelangen Arbeit in der Forschung und meine erworbene Erfahrung. Ich möchte niemanden unterstellen, dass er unzulänglich gearbeitet hat, trotzdem ist die Frage nach der Produkt-Aufreinigung nicht ganz von der Hand zu weisen und gerechtfertigt.

Dr. rer. nat. Renate Konopitzky

1) ATCC – American Type Culture Collection

2) DSMZ – Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen

3) McKernan, Kevin et al., 10.04.2023: http://doi.org/10.31219/osf.io/b9t7m

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